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Joachim Gies wuchs in einer musikbegeisterten Familie in Bad Neuenahr- Ahrweiler auf und lernte in seiner Jugend Klavier und Klarinette. Als Jugendlicher gründete er dort seine erste Free-Jazz Gruppe. 1974 zog er nach Berlin, wo er Studienabschlüsse für das Lehrfach Deutsch und Sozialkunde erwarb. In den Achtziger Jahren schloß er ein Musikstudium ab. Schon während des Literaturstudiums lag ein Schwerpunkt seines Interesses auf dem Verhältnis von Musik und Sprache. So überrascht nicht seine spätere kompositorische Auseinandersetzung mit den verschiedenen Ausdrucksmöglichkeiten der menschlichen Stimme.
In seinem Musikstudium mit Hauptfach Saxophon bei Prof. Omar Lamparter und bei Detlef Bensmann konzentrierte sich Gies auf die Erarbeitung zeitgenössischer Musik. Neben der Aufführung von Werken neuer Saxophonmusik (Berio, Denissov, Erdmann u.a.) trat das Ausloten des Saxophonklangs mit neuen Spieltechniken immer Stärker in den Vordergrund. Ein roter Faden seiner verschiedenen musikalischen Tätigkeitsfelder ist seitdem die Entwicklung einer eigenen Klang- und Formsprache. Als Musiker und Komponist interessiert er sich für Phänomene der Unschärfe und Überlagerungen. Seine Kompositionen richten sich an Interpreten, die eine Offenheit gegenüber musikalischem Risiko nicht verloren haben. Da subjektive Zeitebenen nie völlig deckungsgleich verlaufen, ist die daraus resultierende Unschärfe nicht zu verwechseln mit Ungenauigkeit. Jedoch hat sich Gies von der Ästhetik erstarrter Perfektion gelöst und tritt für offene musikalische Prozesse ein. Diese verlangen auch vom Zuhörer mehr als bloßes Konsumieren einer vorgefertigten Erwartungsbestätigung.
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Die Lust am Verletzen vorgefaßter Klischees hat Gies zu immer neuen Projekten angetrieben: den Soloprogrammen Manipulated Horns und Saxophonely, seiner Duoreihe Different Distances, als Gründer der Gruppe TransArt und als Co-Gründer der Ensembles disagio, DisArt, Böhm-Christl/Gies-Projekt und Not Missing Drums Project. 
Der Austausch mit benachbarten Künsten findet häufig in seinen Unternehmungen statt, wo in multimedialen Aufführungen Musik, Tanz und bildende Kunst sich begegnen. Seine besondere Beziehung zur Sprache und Stimme zeigen die Vertonungen von Prosa- und Lyriktexten von A. Kluge, J. Becker, M. Walter, S. George u.a. Als Leiter von Projekten, für die er Kompositionen schreibt, arbeitet er an einem Netzwerk von Musikern und anderen Künstlern und führt so auch die Sparten der Künste immer wieder in verschiedenartigsten Personen zusammen. Die Opernsängerin trifft auf den Stimmimprovisator mit 'electronics', der Maler entwirft 'Klangbilder' zu Konzerten, die Fagottistin aus dem Bläserquintett begegnet dem Freejazzer. Aus diesen Begegnungen der scheinbar abgeschotteten Milieus entstehen kreative Potentiale, in denen kompositorische Anstöße in lebendige Aktionen transformiert werden.
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Vita
Joachim Gies
| 1956 |
geb. in Bonn
Unterricht Klavier, Klarinette, Saxophon
- Studium der Germanistik und Politologie an der FU Berlin
- Musikstudium an der HdK Berlin mit Hauptfach Saxophon bei Prof. Omar - Lamparter und Detlef Bensmann
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seit 1982
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als Musiker und Komponist tätig
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1983
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Gründung des Trios für improvisierte Musik "disagio" zusammen mit Thomas Böhm-Christl
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1984
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Mitwirkung bei der Modern-Jazz-Gruppe "Puls"
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| 1986 |
"disagio" beim New Jazz Festival Moers, Jazz in the Garden Berlin, Kulturfestival Fribourg (Schweiz) u.a. |
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1987
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"Wunder/ Wunden des Alltags". Kompositionen zu Texten von Alexander Kluge und Jürgen Becker für Saxophon/Bassklarinette und Cello/Gitarre. Aufführungen und Rundfunksendungen mit Schauspieler Tedyan Volkmar
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| 1987 |
Gründung der Gruppe "TransArt"-freemelodics; Auftritte im In- und Ausland und auf Festivals, u.a. Jazz in the Garden '89 |
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1988
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Projekt Radio-Music."disagio"-Musik und Sprache, konzipiert für die Ausstellung zur Geschichte des Radios "Ganz Ohr" in Berlin
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| 1988 |
Entwicklung des Soloprogramms "Manipulated Horns". Konzerte als Solist u.a. in der Reihe "Werkstatt Berlin" |
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1988
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Teilnahme am Master Class Workshop von Cecil Taylor im Rahmen von E 88 Berlin
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| 1989 |
Projekt NOISE Reduction ArtMusik für "disagio" zur Installation von Xavier Veilhan PARINBERLINS, Karl-Hofer-Gesellschaft Berlin |
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1990
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Projekt KLANG FARBE FORM. Musik zu Bildern und Projektionen von Günter Ries und Skulpturen von Stéphane Erar
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| 1990 |
Gründung des "Böhm-Christl/Gies Projekt"- Kammermusik für zeitgenossen (7 Musiker, l Stimme, l Lyrikerin),zusammen mit T. Böhm-Christl. Musikprojekt für die Karl-Hofer- Gesellschaft und CD "Strukturen/Motionen"
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1991
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Kompositionen zur Lyrik von Miriam Walter, Aufführungen mit dem "Böhm-Christl/Gies-Projekt"
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| 1991 |
Teilnahme am Master Class Workshop von Sigurt Rascher, Akademie der Künste Berlin |
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1991
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Mitwirkung bei der CD "Cataract", Berlin Young Composers
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| 1992 |
multimediale Aufführungen eigener Kompositionen mit dem Böhm-Christl/Gies-Projekt. Tanz (Graczyna Prybylska-Ehlert), Lichtinszenierung, Projektionen(Günter Ries),Akademie der Künste Berlin. Reihe "Unerhörte Musik" Berlin, Studio für zeitgenössische Musik Dresden |
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1992
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Gründung "DisArt" (sax/bcl/keyb,cello/g/keyb,g,b,dr) zusammen mit Thomas Böhm-Christl, CD "Nights and Stories"
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| 1993 |
Gründung "Not Missing Drums Project" zus. mit T. Böhm- Christl. Seitdem Konzerte und CD-Aufnahmen mit zahlreichen Gastmusikern |
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1994
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Komposition des Liedzyklus "Traurige Tänze", acht Gedichte von Stefan George für Mezzosopran und kleines Ensemble, Uraufführung im Kesselhaus der Kulturfabrik Berlin
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| 1995/96 |
Konzertreihe des "Not Missing Drums Project" mit Sängerinnen im Ballhaus Naunynstrasse, Berlin-Kreuzberg: Lauren Newton, Joelle Léandre (b,Gesang), Uschi Brüning. CD "Urban Voices"
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1996
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Entwicklung der Soloperformance "Saxophonely", in der ungewöhnliche Spieltechniken erprobt werden
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| 1997 |
Konzertreihe URBAN VOICES des "Not Missing Drums Project" mit 20 Musikern im Ballhaus Naunynstrasse, CD "Offline Adventures", erscheint April '99 |
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1997
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Solo- und Duokonzerte mit Alex Nowitz, Thomas Wiedermann, T. Böhm-Christl u.a.
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| 1998 |
Mitwirkung als Solist bei Hörspielproduktionen des DeutschlandRadios (Bargan läßt es sein) und des SFB (Marleni). Regie: Wolfgang Jannings, Musik:Wolfgang Florey |
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1998
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Eröffnung der monatlichen Veranstaltungsreihe "Urban Music in Vollrads Tonsaal" in Berlin-Prenzlauer Berg zus. mit T.Böhm-Christl, Workshopkonzerte mit Gastmusikern
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| 1999 |
Veröffentlichung der Duo-CD "Different Distances" mit Ute Döring ' Mezzosopran, Alex Nowitz, Stimme, live-electronics Ernst-Ludwig Petrowsky, Sax, Thomas Wiedermann, Posaune, T. Böhm-Christl, Cello |
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1999
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die Partitur der auf der CD "Different Distances" enthaltenen Komposition für Altsaxophon-Solo "About Conditions To Feel Time" wird im Hermann Löffler Verlag Berlin verlegt
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Discographie:
"Legba Crossing" Cecil Taylor Workshop Ensemble Free Music Production, 1989
'StrukturenMotionen' Böhm-Christl/Gies-Projekt Koch International, 1991
'Nights And Stories' DisArt, Nabel Records, 1993
'Urban Voices' Not Missing Drums Project Leo Lab London, 1997
'Position / Dark / Red' Not Missing Drums Project Leo Lab London, 2000
'Whispering Blue' Saxofon - Solo Leo Lab London, 2001
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